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Wer verdient was in der Bundesliga?

Die Topstars der Liga sind längst Millionäre, die hungrigen Youngster auf dem Weg dahin. Doch das Gros der Profis muss fürs Geld mehr rennen als früher. Fürs Kicken werden in Deutschland von der Bundes- bis zur Oberliga rund 2500 Fußballspieler bezahlt. Am wenigsten verdienen die 400-Euro- Kräfte der Viertligisten, am meisten kassiert der Torhüter des Meisters: Oliver Kahn ist mit jährlich 8,09 Millionen Euro der Topverdiener des deutschen Fußballs, gefolgt von Michael Ballack mit 6,83 Millionen. In den Jahreseinkünften der Bayern Stars sind jedoch Prämien, Honorare aus Werbeverträgen etc. eingeschlossen. Wie hoch das Grundgehalt ist, das ihnen der FCB monatlich überweist, wissen außer Manager Uli Hoeneß und seinen beiden wichtigsten Angestellten nur deren Manager und Steuerberater.

Ligadurchschnitt: 20.000 Euro

Gut 500 Millionen Euro bringen die 18 Bundesligaclubs pro Saison für die Spielerge-hälter auf. Mitte der Neunziger war es halb so viel, dann explodierten die Gehälter dank üppiger Fernsehgelder. Seit der Kirch-Pleite 2002 stagnieren die Budgets. Deshalb müssen Kahn und Co. aber keine Abstriche machen. „Die Bereitschaft, die Stars der Liga nach internationalen Maßstäben zu bezahlen, ist ungebrochen. Da gibt es keine Delle“, sagt Christian Rapp, Spielervermittler der Agentur Rogon, deren prominenteste Klienten Schalkes Stars Bordon, Ailton, Ernst und Kuranyi sind.

Der Mittelbau der Liga hat sich dagegen auf neue Gehaltsstrukturen eingestellt. In den fetten Jahren saß mancher überzählige Kicker sein Gehalt untätig auf der Bank ab ? ohne Abzüge. Inzwischen hängt die Bezahlung viel stärker von der Leistung ab: Das Gehalt setzt sich aus einem Fixum und einem flexiblen, also erfolgsbezogenen Verdienst zusammen, der aus Punkte-, Einsatz-, ja sogar Nichtabstiegsprämien er-rechnet wird und je nach Verein und Vertrag 20 bis 40 Prozent der Bezüge aus-macht. Wer verliert oder gar nicht erst spielen darf, sieht also weniger Geld.

Damit aber kein schiefes Bild entsteht: Natürlich ist die Bundesliga keine Niedrig-lohnbranche. Unter den 30 bis 40 Stars, die jährlich über zwei Millionen Euro ver-steuern, stehen in der Gehaltspyramide Dutzende weiterer Spieler mit Einkünften von mindestens einer Million Euro pro Saison. Und ein durchschnittlicher Bundesligaprofi trägt im Monat gut und gern 20000 Euro nach Hause. Das klingt im ersten Moment üppig, doch eine Fußballerkarriere währt ja höchstens zehn, zwölf Jahre ? wenn es gut läuft. „Viele Spieler halten sich aber nur drei oder vier Saisons“, sagt Ulf Bara-nowsky, Sprecher der Fußballprofi-Gewerkschaft VdV. „Die schaffen den Sprung vielleicht mit 25, sind aber auch mit 29 wieder verschwunden.“ Um die Altersversor-gung abzusichern, genügt das nicht.

Mehr Spiele – höherer Marktwert

Goldene Jahr haben dafür ehrgeizige Youngster wie Lukas Podolski und Per Merte-sacker vor sich, auch wenn der Weg zum Großverdiener für sie länger ist, als er vor drei, vier Jahren gewesen wäre. ?Damals machten die Vereine viel Geld locker, um-junge Talente in die Kader einzubinden?, erinnert sich Vermittler Rapp. „Mit dieser Freigebigkeit ist es vorbei, dafür ist die Bereitschaft größer, die jungen Wilden spielen zu lassen. Und die sehen natürlich die Chance, sich frühzeitig zu profilieren und ihren Marktwert zu steigern.“ Der Frankfurter Anwalt und Spielerberater Matthias Schröder, der u.a. die Eintracht-Jungstars Christoph Preuß, Daniyel Cimen, Marco Russ und Dominik Stroh-Engel vertritt, geht noch weiter: „Für viele der Jungen gilt heute das Gleiche wie für die ganz großen Stars: Wenn die Leistung stimmt, können sie sich ihren Verein aussuchen.“ Und wer wollte daran zweifeln, dass die Generation Podolski in einigen Jahren in die Gehaltssphären von Kahn und Ballack vorstoßen wird?

champ 08/2005; „Wer verdient was in der Bundesliga ?“, Magazin „champ Fußball, Formel 1 & Mehr; August 2005“

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