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Prozess wegen Anlagebetrugs – Berater verzockt Geld der Kunden

Er soll 70 Menschen Geld aus der Tasche gezogen haben – insgesamt rund 950 000 Euro. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg Anklage gegen den 58 Jahre alten Vermögensberater und ehemaligen Bankkaufmann erhoben. „Gewerbsmäßiger Betrug in 70 Fällen“, so der Vorwurf, teilte Ernst Wich-Knoten, leitender Oberstaatsanwalt in Aschaffenburg, mit. Bis ins Jahr 2005 hinein soll der 58-Jährige sich an Geld bereichert haben, das ihm anvertraut worden war. Genutzt hätten ihm dabei seine Beziehungen durch die Tätigkeit bei einer renommierten Schweizer Gesellschaft für Vermögensberatung.

Matthias Schröder, Anwalt mehrerer Geschädigter, sieht auch das Unternehmen in der Pflicht. Es hätte seinen als Handelsvertreter tätigen Mitarbeiter besser kontrollieren müssen, sagt er. Aus diesem Grund stünden die Chancen gut, dass der Finanzdienstleister seinen Mandanten ihren Schaden – rund eine halbe Million Euro – ersetzt. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Nach Auskunft des Rechtsanwalts hatte der 58-Jährige über neun Jahre seine unsauberen Geschäfte tätigen können, bevor er aufflog. In der Regel hatte er seinen Kunden vorgegaukelt, dass er das Geld rentierlich anlegte, überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren. Jahrelang habe er den Anlegern die versprochenen Zinsen ausgeschüttet, einigen sogar das Kapital zurückgezahlt – etwa bei Fälligkeit der Anlagen. In die Ermittlungen sei auch Interpol eingeschaltet gewesen. Schröder: „Der ermittelte Gesamtschaden der Anleger beträgt zwischen 2,9 und 4,5 Millionen Euro.“

1700 Spielbank-Besuche

Die Polizei habe auch herausbekommen, wo das Geld der Anleger geblieben ist, sagt Schröder: in deutschen Spielbanken etwa, denen der Vermögensberater in den vergangenen zwölf Jahren stolze 1700 Besuche abgestattet haben soll. Oder im Mirage in Las Vegas , einem der exklusivsten Hotels der Welt mit angeschlossener Spielbank. Wo der Hollywoodfilm „Ocean’s Eleven“ gedreht wurde und die Siegfried & Roy-Show über Jahre beheimatet war, soll der mutmaßliche Betrüger neun Mal gastiert haben.

Nach Angaben des Anwalts schweigt der 58-Jährige zu den Vorwürfen. Gewerbsmäßiger Betrug wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren geahndet.

[Quelle: Frankfurter Rundschau 06.12.2007
VON JUTTA RIPPEGATHER]

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