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Lehman-Pleite: 100-Jähriger will Geld zurück

Heinrich Fischer (100) ist das älteste Opfer der Lehman-Pleite. Trotz seines Alters kämpft er um sein Geld. 24 000 Euro hat er verloren.

Frankfurt. Auf dem Tisch seines Wohnzimmers liegt eine illustrierte Weltgeschichte. Fischers Bankberaterin bei der Frankfurter Sparkasse hat sie ihm vor einigen Tagen zu seinem 100. Geburtstag als Geschenk mitgebracht. Versöhnt hat das Fischer nicht, auch nicht das Vergleichsangebot der Sparkasse, ihm 12 000 Euro zu erstatten. Er will mehr, hat den Anwalt Matthias Schröder eingeschaltet.

Fischer fühlt sich bei der Geldanlage schlecht beraten. Ihn ärgert auch, dass andere Kunden höher entschädigt worden sind. Beispielsweise Helmut Gärtner. Der ehemalige Erste Stadtrat von Eschborn hatte 32 000 Euro mit Lehman-Papieren verloren, 21 000 Euro zahlte die Sparkasse Gärtner zurück. «Ich müsste einen Altersbonus kriegen», sagt der 100jährige.

Sicherheit war wichtig
Fischer hat immer auf sichere Geldanlagen gesetzt: Sparbuch und Prämiensparen, Zuwachssparen, Inhaberschuldverschreibungen. Als er 2006 ein neues Sparkassenpapier über 18 270 Euro erwarb, welches sechs Prozent Zinsen abwerfen sollte, war dies, wie sich später herausstellte, sein erstes Lehman-Zertifikat. Dieses verkaufte er auf Anraten der Bankberaterin ein Jahr später sogar mit einem Gewinn von 1683 Euro. «Niemand hatte Herrn Fischer gesagt, dass es schon damals hätte schiefgehen können», sagt sein Anwalt. Im Anschluss erwirbt der damals 98-Jährige auf den Rat der Sparkassenmitarbeiterin ein weiteres Lehman-Zertifikat für 24 000 Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren. Bei der Fälligkeit wäre der Rentner 103 Jahre alt gewesen. «Für Herrn Fischer war dies ein Sparkassenprodukt mit Zinsen, das quasi die Nachfolge des ersten Papiers antreten sollte», sagt Schröder. «Niemand gab ihm Hinweise auf mögliche Kursschwankungen oder das Risiko eines Totalverlustes.»

Der Sparkasse vertraut
Fischer übt dennoch auch Selbstkritik: «Für mich als ehemaligen Kaufmann ist es kein Ruhmesblatt, dass ich da hineingetappt bin.» Aber er betont auch, dass er der Sparkasse als Institution blind vertraut habe. Schließlich sei er seit Ewigkeiten Kunde.

Der Anwalt der Sparkasse weist in dem Vergleichsangebot darauf hin, dass das Beratungsgespräch über eine Stunde gedauert habe. Es habe keine Anzeichen dafür gegeben, dass der Kunde das Zertifikat und seine Funktionsweise nicht verstanden habe; ganz im Gegenteil: Herr Fischer «wurde in der Filiale in Praunheim stets dafür bewundert, trotz seines fortgeschrittenen Alters auch in Anlagefragen noch so rege und interessiert zu sein.» Bereits 2004 habe Fischer mit dem Erwerb risikoreicherer Produkte wie Aktienfonds oder Zertifikate begonnen. Genau das kritisiert Fischers Anwalt: Nur unter dem Einfluss seines Bankberaters habe der damals 95-Jährige seine Anlagephilosophie geändert. Ob es der alte Herr auf einen Prozess ankommen lassen will, weiß dieser noch nicht. «Da sterb’ ich noch unterwegs.» Vier von Schröders Lehman-Mandanten sind bereits verstorben.

FNP 14.05.2009, Von Thomas Remlein

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